30. September 2012: Otto von Habsburg

Paneuropa-Bundesvorsitzender Bernd Posselt begleitete Otto von Habsburg über Jahrzehnte
Jürgen Hecht (links) nutzte seine guten Kontakte zu Bernd Posselt. Er holte den Präsidenten der deutschen Paneuropa-Union nach Neustadt/WN. Ein Glücksfall: Posselt wusste Interessantes aus dem Leben und Werk von Otto von Habsburg zu berichten.
Neustadt/WN. Eineinhalb Stunden Spannung waren garantiert. Am 30. September 2012 hatte der Kreisverband Neustadt-Weiden der Paneuropa-Union den Bundesvorsitzenden MdEP Bernd Posselt zu Gast. Über Jahrzehnte hinweg arbeitete er eng mit Otto von Habsburg zusammen. In einem kurzweiligen Vortrag beleuchtete der Weggefährte Leben und Werk des „großen Europäers“.

Kreisvorsitzender Jürgen Hecht bat in der Gaststätte „Weißes Rössl“ darum, nicht nur Daten und Fakten aufzulisten: „Wir möchten auch dahinter blicken und erfahren, was für ein Mensch der letzte Kronprinz von Österreich/Ungarn war.“ Posselt lernte Otto von Habsburg 1975 kennen: „Ich wollte der Paneuropa-Jugend beitreten. Eine solche Organisation gab es aber damals noch nicht. Da trug er mir spontan auf, sie einfach zu gründen.“ Das passierte auch und Posselt stand bis 1990 an der Spitze: „Der kurze und doch so weit reichende Auftrag ist nur ein Beispiel dafür, welch großen Vertrauensvorschuss Otto von Habsburg jungen Menschen einräumte.“

Über alles liebte er Streitgespräche. Und dazu forderte er immer wieder auf: „Oft genug polarisierte er auf extreme Weise, wenn er etwas falsch oder ungerecht hielt. Dem gegenüber stand seine Gabe zum Brückenschlag zwischen Religionen und Parteien, seine Offenheit, seine Menschlichkeit und seine Bescheidenheit.“ Von Habsburg habe das selbst gewählte Motto „Einigen nicht Trennen“ tatsächlich auch vorbildlich gelebt. Allerdings ging dem kämpferischen Parlamentarier – dem Europaparlament gehörte er von 1979 bis 1999 an – die ein oder andere hitzige Debatte doch zu weit: „Wenn das so weiter geht, werde ich auf meine alten Tage noch zum Monarchisten.“

Das politische Engagement reicht viele Jahre weiter zurück. Bemerkenswert ist nicht zuletzt das Eintreten gegen die Ziele des Nationalsozialismus. Auf die Frage, warum er sich vehement gegen Hitler stellte, habe von Habsburg nicht lange überlegen müssen. Posselt hat den alles aussagenden Satz noch gut im Gedächtnis: „Weil ich ‚Mein Kampf’ gelesen habe.“ Verbunden war damit aber auch die Absicht, jüdischen Mitmenschen konkret zu helfen. Er kümmerte sich darum, dass viele ausreisen und den Nazis entkommen konnten.

Wie überzeugt von Habsburg vom europäischen Einigungsgedanken war, daran ließ er 1979 bei der Frage nach dem Fall des „Eisernen Vorhangs“ keinen Zweifel: „In zehn Jahren ist es so weit.“ Interessant fiel der Rückblick auf die Kindheit und die Jugendzeit aus. Posselt wusste nicht nur von zahlreichen Details zu erzählen, sondern bot dabei auch einen Geschichtsunterricht par excellence. Am 20. November jährt sich der Geburtstag des im Sommer 2011 verstorbenen Politikers zum 100. Mal. Posselt verwies auf eine Reihe geplanter Veranstaltungen: „Otto von Habsburg hat es verdient, wenn wir sein großartiges Lebenswerk und sein gelebtes Vorbild im Gedächtnis behalten.“