21. Oktober 2009: Chaos-Picknick statt Freudentag

Als überzeugter Paneuropäer ließ es sich Jürgen Hecht nicht nehmen, Mitte August zum "Jubiläums-Picknick" nach Ungarn zu reisen.


Neustadt/WN. Sogar der Bundeskanzlerin – sie erfuhr erst hinterher von dem über den Haufen geworfenen Programmablauf – war es peinlich. Jürgen Hecht berichtete am Mittwoch bei der Paneuropa-Union über das Geschehen zum 20. Jahrestag des so genannten „Paneuropäischen Picknicks“ im ungarischen Sopron.

Am 19. August 1989 lief an der Grenze zwischen Ungarn und Österreich eine Veranstaltung, die als Demonstration für den Frieden in Europa gedacht war. Politiker beider Länder vereinbarten, ein Tor in der Grenze für drei Stunden zu öffnen. Mehr als 600 Bürger der damaligen DDR nutzten die Gelegenheit, um in die Freiheit zu flüchten. Das „Picknick“ gilt als einer der Meilensteine, die zum Zusammenbruch des Regimes im zweiten deutschen Staat führten.

„Was sich allerdings zum 20. Jahrestag abspielte, mutete fast schon beschämend an“, berichtete Hecht, der mit dem Paneuropa-Bundesvorsitzen Bernd Posselt vor Ort war. Zunächst habe die Konrad-Adenauer-Stiftung als Mitveranstalter den geplanten Ablauf eigenmächtig geändert: „Anschließend wurde das Ganze, nachdem Kanzlerin Angela Merkel eintraf, zu einer offiziellen und konkurrierenden Veranstaltung der ungarischen Regierung. Wir blieben ausgesperrt.“

Um internationale Aspekte ging es auch, als Kreisvorsitzender Bernhard Steghöfer den Lissabon-Vertrag zur Sprache brachte: „Was sich der Präsident der Tschechischen Republik Vaclav Klaus mit seiner ablehnenden Haltung zu der Vereinbarung leistete, mutet beschämend an. Das ist blanker Hohn für ein geeintes Europa.“

Grund, die Stirn zu runzeln, bot in der Neustädter Gaststätte „Weißes Rössl“ auch der Rückblick von Manfred Weiß zu den „Christlichen Europatagen“ in Andechs. Bei der Tagung mit hochkarätigen Referenten sei deutlich vor Augen geführt worden, dass christliches, soziales und solidarisches Gedankengut auf der Strecke bleibe: „Stattdessen kommt es in den EU-Mitgliedsländern immer häufiger zu egoistischem Handeln.“